Lymphatische Filariose: Eine Krankheit verschwindet

Sultan aus Tansania war zwölf Jahre alt, als bei ihm die ersten Symptome der Lymphatischen Filariose auftraten: ein schier unerträglicher Juckreiz und Schmerzen in den Beinen. In den folgenden Wochen und Monaten musste der Junge mit ansehen, wie seine Unterschenkel immer mehr anschwollen, bis sie die Größe von Elefantenfüßen erreicht hatten – daher auch der umgangssprachliche Name „Elefantenkrankheit“. Eine Weile schleppte Sultan sich noch jeden Tag in die Schule, aber irgendwann ging es nicht mehr. Er brach seine Ausbildung ab.
Heute ist Sultan 23 Jahre alt und die Krankheit quält ihn noch immer. Morgens, beim Aufwachen, sind seine Beine deutlich weniger geschwollen als gegen Abend. Es gibt Phasen, da geht es ihm halbwegs gut - dann schleppt er tagsüber Wassertröge durch die Gegend, verdient damit ein bisschen Geld. Chancen auf eine richtige Anstellung hat er keine, als Schulabbrecher und mit seinen unförmigen Beinen. Die Krankheit verläuft in Schüben, die ein- oder zweimal im Monat auftreten und ungefähr eine Woche andauern.
Nach mehr als zehn Jahren gibt es jetzt endlich ein wenig Hoffnung für Sultan. Denn in Morogoro, seiner Heimatstadt, startete ein Gesundheitsprogramm zur Ausrottung der Lymphatischen Filariose. Die Mitarbeiter von Hilfs- und Gesundheitsorganisationen verteilen kostenlose Tabletten. Möglichst jeder Einwohner muss einmal jährlich zwei dieser Tabletten schlucken, und das über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg. Wenn alles nach Plan läuft wird es danach keine neuen Fälle von Lymphatischer Filariose (LF) mehr in Morogoro geben.

Bis zum Jahre 2020 soll die Krankheit völlig verschwunden sein, aus Morogoro, aus Tansania, aus allen Ländern, in denen sie heute noch grassiert. Und das sind viele. Rund eine Milliarde Menschen in 83 Ländern sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO von LF bedroht. Rund 120 Millionen Menschen sind infiziert, bei 40 Millionen ist die Krankheit ausgebrochen. Ein Drittel der Infizierten lebt in Indien, ein weiteres Drittel in Afrika und die übrigen in Südasien, den westpazifischen Inseln und in Teilen Süd- und Mittelamerikas.

Fadenwürmer im Lymphsystem

Auslöser von LF ist ein parasitärer Wurm, der von Mensch zu Mensch übertragen wird. Dabei fungieren Stechmücken als „Boten“: Sobald sie einen Infizierten stechen, nehmen sie mit seinem Blut die unreifen Formen des Erregers auf, so genannte Mikrofilarien. Die entwickeln sich in den folgenden sieben bis 21 Tagen zu Larven, die dann beim nächsten Moskitostich auf einen anderen Menschen übertragen werden. Die Larven dringen ins Lymphsystem ein und wachsen dort zu Fadenwürmern heran, die ungefähr sechs Jahre lang leben. In dieser Zeit legen die weiblichen Würmer Millionen von Mikrofilarien ab, die in der Blutbahn zirkulieren. Die Würmer, die in der medizinischen Fachsprache „Wuchereria bancrofti“ und „Brugia malayi“ heißen, blockieren früher oder später die Lymphbahnen – die Lymphflüssigkeit kann nicht mehr abfließen. Sie staut sich in Armen, Beinen, Brüsten und Genitalien, die dadurch enorm anschwellen. Durch das angegriffene Lymphsystem wird außerdem die Immunabwehr des Körpers geschwächt. Er wird anfälliger für Hautinfektionen und für andere schmerzhafte Entzündungen, die häufig von Fieberattacken begleitet werden.
Die meisten Patienten infizieren sich schon als Kinder. Zum Ausbruch kommt die Krankheit jedoch oft erst im Erwachsenenalter, nach vielen Mückenstichen mit immer neuen Infektionen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, die Landbevölkerung häufiger als Städter. In Endemiegebieten können zehn Prozent der Bevölkerung unter den Symptomen der Elefantenkrankheit leiden. LF ist in erster Linie eine Krankheit der Armen, denn sie wird begünstigt durch schlechte sanitäre Einrichtungen, mangelnde Hygiene oder fehlende Moskitonetze.

Die Idee, diese Krankheit vollständig zu eliminieren, entstand Anfang 1998. Damals setzte sich die WHO mit dem Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline an einen Tisch – am Ende der Gespräche stand die Gründung der „Global Alliance to Eliminate Lymphatic Filariasis“ (GAELF). In den folgenden zwei Jahren wurden zahlreiche weitere Partner ins Boot geholt, darunter 40 Hilfs- und Gesundheitsorganisationen sowie die Gesundheitsministerien der Länder, in denen LF grassiert. Der Startschuss zur Umsetzung des Programmes fiel dann im Mai 2000 bei einem Treffen der „Global Alliance“ in Spanien. Zwei Ziele wurden bei diesem Treffen vereinbart: LF soll bis zum Jahre 2020 vollständig ausgerottet sein. Und: Menschen, die bereits an den Folgen dieser unheilbaren Krankheit leiden, sollen Unterstützung erhalten, um die körperlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen zu lindern.

Medikamenten- und Geldspenden

Die besondere Herausforderung dieses ehrgeizigen Planes ist nicht so sehr eine medizinische, sondern eine logistische. Denn die Medikamente, insgesamt werden es rund sechs Milliarden Behandlungen sein, müssen verteilt und möglichst von allen Menschen in den Endemiegebieten eingenommen werden – und das in Gegenden, in denen es kaum Ärzte und Krankenhäuser gibt und schon gar keine medizinische Versorgung, wie wir sie bei uns in den Industrieländern kennen. Damit diese enorme logistische und organisatorische Aufgabe bewältigt werden kann, spendet GSK zusätzlich zu den Medikamenten zwei Millionen US-Dollar pro Jahr. Das Geld wird unter anderem für Programme zur Schulung der medizinischen Helfer und zur Aufklärung der Patienten verwendet. Denn Menschen wie Sultan können ihre Symptome zumindest lindern – etwa durch einfache Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Waschen der betroffenen Körperteile, oder durch regelmäßige ärztliche Untersuchungen.

Die ersten Erfolge im Kampf gegen LF ließen nicht lange auf sich warten: Zu Beginn des Jahres 2008 waren die Parasiten in den meisten Regionen Ägyptens mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgerottet. Die Zahl von mindestens fünf jährlichen Aktionen zur Medikamentenverteilung war dort ebenso erreicht worden wie in Sri Lanka, Togo, Sansibar und einigen pazifischen Inseln. Insgesamt hatte GSK bis zu diesem Zeitpunkt fast 2 Milliarden Tabletten mit dem Wirkstoff Albendazol abgegeben. Um die Tabletten in der enormen notwendigen Stückzahl auch wirklich liefern zu können, errichtete GSK in Südafrika eine neue Produktionsanlage für Albendazol.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt: Während der Behandlungsphase mit Albendazol wurden in den betroffenen Ländern rund 25 Millionen Kinder geboren – sie alle sind jetzt davor geschützt, sich mit dieser furchtbaren Krankheit zu infizieren. Das Programm zur Eliminierung von LF ist Teil der langfristigen Aktion „Facing the challenge“: Die Herausforderung annehmen. Gemeint ist damit die Herausforderung, die Menschen in den ärmeren Regionen der Welt am medizinischen Fortschritt teilhaben zu lassen. Neben LF bekämpft GSK auch HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose – das sind jene drei Krankheiten, deren Bekämpfung von der WHO als besonders dringlich eingestuft wurde. Eigens zu diesem Zweck gibt es seit dem Jahr 2000 im spanischen Tres Cantos eine Forschungsabteilung.

Langfristige Partnerschaften

„Wir haben als Gesundheitsunternehmen die Aufgabe, den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen“, sagt Claudia Kubacki, Unternehmenssprecherin von GSK Deutschland, „und zwar allen Menschen, überall auf der Welt. Das Übernehmen sozialer Verantwortung ist für uns keine PR-Strategie, sondern Teil unserer Unternehmensphilosophie.“ Und weil das so ist, gibt GSK jedes Jahr umgerechnet mehr als 258 Millionen Euro für humanitäre Zwecke aus – in Form von Geld- und Medikamentenspenden nach Naturkatastrophen, aber auch für langfristige Gesundheitsprojekte, mit denen die Gesundheitsvorsorge in den Entwicklungs-ländern verbessert werden soll. Dazu zählt die Unterstützung lokaler Selbsthilfegruppen ebenso wie die „Public Private Partnerships“, also langfristige Partnerschaften mit öffentlichen und privaten Organisationen – GAELF, die „Global Alliance to Eliminate Lymphatic Filariasis“ ist eine dieser Partnerschaften. Weitere Partnerschafts-Programme gibt es im Kampf gegen Malaria und gegen HIV/AIDS – hier gibt GSK übrigens seit vielen Jahren Medikamente zum Selbstkostenpreis ab.

Es dürfte kein Zufall sein, dass GSK im Jahr 2008 und 2010 den ersten Platz im „Access-to-Medicine-Index“ belegte. Dieser Index bewertet, wie sehr sich die 20 führenden Pharma-Unternehmen dafür einsetzen, dass die Menschen in den ärmeren Ländern Zugang zu Medikamenten erhalten (www.atmindex.org).

Sultan aus Tansania weiß nichts von diesem Index, aber er gehört zu den Patienten, denen es nach eigener Aussage besser geht, seit er die Albandazol-Tabletten kombiniert mit einem zweiten Medikament bekommen hat. Denn auch, wenn ihn die Medikamente nicht heilen können, so verhindern sie doch weitere Infektionen durch neue Mückenstiche. Außerdem weiß Sultan jetzt, wie er seine geschundenen Beine pflegen muss, um Entzündungen und Juckreiz einzudämmen.

Übrigens: LF drangsaliert die Menschen bereits seit tausenden von Jahren. Schon im alten Ägypten wurde der eine oder andere Pharao von der Krankheit heimgesucht. Erwähnt wurden die Symptome bereits in alten medizinischen Texten aus China, Indien, Japan und Persien. Ab dem Jahr 2020 aber wird die Elefantenkrankheit hoffentlich nur noch Geschichte sein.

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