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In Tres Cantos, wenige Kilometer nördlich von Madrid, betreibt GlaxoSmithKline ein eigenes Forschungszentrum für Krankheiten der Entwicklungsländer. Hier, im so genannten DDW-Center (Diseases of the Developing World) arbeiten rund 100 Wissenschaftler - Biologen, Chemiker, Molekularbiologen, Biochemiker, Pharmakologen und viele andere. Sie alle suchen ausschließlich nach Stoffen zur Behandlung von Malaria, Tuberkulose und einigen anderen, weniger bekannten Krankheiten, die in den Entwicklungsländern grassieren. Die Gebäude mit einer Gesamtfläche von 8.500 Quadratmetern wurden 1991 errichtet, damals noch als regionales Forschungszentrum von GlaxoWellcome. Das DDW-Center entstand dann im Jahre 2001 nach der Fusion mit SmithKline Beecham.

Die Wissenschaftler in Tres Cantos suchen nach Targets, also nach Angriffspunkten für neue Medikamente, und anschließend nach Substanzen, die über diese Angriffspunkte in das Krankheitsgeschehen eingreifen. "Hier in Tres Cantos wählen wir die Wirkstoffkandidaten aus", sagt Mark Felton, bei GSK verantwortlich für die klinische Entwicklung neuer Medikamente für Entwicklungsländer, "von hier aus geht es dann in die ganze Welt, nach London, Rixensart und in viele andere Orte, an denen klinische Studien stattfinden." In der Tuberkulose-Forschung geht es derzeit vor allem um die Frage, wie latente Krankheitserreger möglichst frühzeitig und möglichst schnell abgetötet werden können. Es gibt bereits wirksame Antibiotika, aber die Tabletten müssen ein halbes Jahr lang regelmäßig eingenommen werden - das funktioniert vielleicht in Europa, nicht aber in Ländern, in denen es kaum Ärzte gibt und in denen viele Patienten bei den ersten Anzeichen einer Besserung glauben, es wäre klüger, die Tabletten an Menschen weiterzugeben, denen es schlechter geht. Die Malariaforscher in Tres Cantos suchen unter 600.000 Stoffen nach neuen Molekülen, bei denen die Krankheitserreger keine Resistenzen entwickeln - denn bisher verfügbare Medikamente verlieren früher oder später ihre Wirksamkeit. Derzeit befinden sich weltweit 21 potenzielle Malaria- und 18 Tuberkulosemittel in der frühen Entwicklungsphase, aber auch jeweils drei potenzielle Wirkstoffe gegen Leishmaniase und die afrikanische Schlafkrankheit, und jeweils fünf gegen Dengue-Fieber und Chagas Disease. Die Forschungsarbeiten in Tres Cantos sind eine von drei wichtigen Säulen, die das Engagement von GSK in den Entwicklungsländern tragen. Die beiden anderen Säulen sind Vorzugspreise für lebenswichtige Medikamente und Partnerschaften mit dem Ziel, solche lebensnotwendigen Medikamente möglichst schnell zu entwickeln und dann dafür zu sorgen, dass sie auch tatsächlich die Patienten erreichen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche "Public Private Partnerships" (PPP) geschlossen, so mit dem "Institute for OneWorld Health", mit der "Global Alliance for TB Drug Development" und mit "Medicines for Malaria Venture" (MMV) - allesamt unabhängige, mit hochkarätigen Fachleuten besetzte Initiativen, die sich für eine bessere medizinische Versorgung in den Entwicklungsländern einsetzen. Die Probleme dort sind allerdings so groß, dass keine Institution sie alleine lösen könnte - und genau deshalb sind Partnerschaften so wichtig. Sie vereinen die Stärken der jeweiligen Partner zu einer Schlagkraft, die jeder einzelne Akteur nicht aufbringen könnte. Das gilt für das Entwickeln neuer Therapieansätze, aber es gilt auch und insbesondere dann, wenn es - wie etwa bei HIV/Aids - zwar wirksame Therapieansätze gibt, aber der Zugang der Menschen zu den Arzneimitteln nicht gewährleistet ist. "GSK ist einer unserer wichtigsten Partner, mit dem wir schon lange erfolgreich zusammenarbeiten", sagt Chris Hentschel, CEO von MMV, "aber jetzt springen auch andere Unternehmen auf diesen Zug auf, vor allem solche mit Standorten in der Dritten Welt - sie erkennen einfach, dass es sie viel Geld kostet, wenn ihnen die Mitarbeiter durch Malaria oder HIV wegsterben. Und auch Regierungen fangen an, sich zu engagieren - wir erhalten zum Beispiel finanzielle Unterstützung von Norwegen und der Schweiz und hoffen, dass sich bald noch mehr Länder als bisher beteiligen." Zur Zeit arbeiten in Tres Cantos 80 Wissenschaftler von MMV und GSK gemeinsam an Entwicklungsprojekten, die vermutlich die Malaria nicht ausrotten werden, sie aber zu einer behandelbaren und kontrollierbaren Krankheit machen können.
Tuberkulose in sieben bis zehn Tagen zu heilen - das ist die Vision von Mel Spigelman, Direktor der Abteilung für Forschung und Entwicklung in der "TB Alliance". "GSK hat im Kampf gegen die Krankheiten der Dritten Welt eine Führungsrolle übernommen", sagt er, "und ich hoffe, möglichst viele andere Unternehmen werden sich anschließen." Rund zwei Millionen Menschen sterben jährlich an TB, das zur häufigsten Todesursache von HIV-Patienten geworden ist. Diese Zahlen werden nur zurückgehen, so Spigelman, "wenn es uns gelingt, die Therapie radikal zu verkürzen und zu vereinfachen." Gemeinsam mit GSK arbeiten die Forscher der TB-Alliance daran, den Behandlungszeitraum auf zwei bis drei Monate zu verkürzen - wobei statt derzeit insgesamt 130 nur noch 10 Medikamentendosen eingenommen werden müssen, und das nicht mehr täglich, sondern nur noch einmal pro Woche. "Damit das gelingt", sagt Spigelman, "müssen wir uns vernetzen und Ressourcen ausschöpfen." Die Forscher von Tres Cantos schütteln nicht nur Reagenzgläser in ihren Labors, sondern sie vernetzen ihre Arbeit mit Kollegen, Institutionen und Patienten rund um den Globus. Warum das so ist, erklärt GSK-Vorstandsmitglied Lynn Marks mit den Worten: "Partnerschaften sind der Schlüssel zu einer menschlichen Welt."
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