Welt-Malaria-Tag: Erster Impfstoff gegen Malaria in Sicht
„Nur wenige Wissenschaftler dürfen erleben, wie ihre tägliche Arbeit zur Entwicklung neuer Impfstoffe führt, die eines Tages Millionen Menschen das Leben retten könnten“, sagt Dr. Joe Cohen, Vice President & Head of Emerging Diseases & HIV, GlaxoSmithKline Biologicals.
Seine Arbeiten haben maßgeblich dazu beigetragen, dass heute ein potenzieller Malaria-Impfstoffkandidat in klinischen Studien der Phase III untersucht wird. Bei guten Ergebnissen könnte mit RTS,S der erste Impfstoff gegen Malaria bereits in wenigen Jahren auf den Markt kommen und vielen Menschen in den Entwicklungsländern - besonders (Klein-)Kindern - das Leben retten.
Nach langjähriger Arbeit konnten das Forscherteam um Cohen die Komplexität des Malariaerregers bezwingen: Sie fanden heraus, dass sich ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche des Erregers, einem parasitären Einzeller, für die Herstellung eines Impfstoffs eignet. Das Eiweiß wird von dem Erreger in einem frühen Infektionsstadium produziert, bevor die gefährlichen Stadien im Blut entstehen. Dieses Eiweiß kann in Hefezellen gentechnisch hergestellt werden.
Zusätzlich enthält der Impfstoff einen neuartigen Wirkverstärker, ein so genanntes Adjuvanz-System, das die Immunantwort entscheidend beeinflusst. Die Malariaimpfstoffentwicklung illustriert sehr gut, wie neuartige Adjuvanz-Systeme die Entwicklung von Impfstoffen gegen Erkrankungen ermöglicht haben, gegen die man bisher eine Impfung als unmöglich erachtet hatte. Jedes Jahr sterben etwa 1-2 Millionen Menschen an Malaria, vor allem Kinder vor dem 5. Lebensjahr im südlichen Afrika. Die Erreger machen im Laufe ihres Lebens mehrere Entwicklungsstadien durch. Ein wirksamer Impfstoff gegen Malaria müsste somit sowohl die Bildung von Antikörpern auslösen, die die Parasiten daran hindern, die Leber zu erreichen als auch eine starke T-Zell-Antwort, um bereits infizierte Leberzellen abzutöten.
Der von GSK entwickelte, in der klinischen Prüfung befindliche Impfstoff gegen Malaria, RTS,S mit dem GSK-eigenen Adjuvanz-System AS01, kann diese komplexe Immunantwort auslösen. Er ist bisher der einzige Malaria-Kandidatimpfstoff, der reproduzierbar und signifikante vor Malaria schützt.
Aktuelle Studien zeigen, dass es erstmals gelungen ist, Menschen vor Malaria zu schützen. In Mosambik beispielsweise wurden 2.000 Kinder mit dem neuen Versuchsimpfstoff oder mit einem Kontrollimpfstoff geimpft. Innerhalb von 18 Monaten gab es im Vergleich zu dem Kontrollimpfstoff fast 50 Prozent weniger schwere Malariafälle und insgesamt 35 Prozent weniger Fälle überhaupt.
Alle Beteiligten arbeiten dabei eng mit Regierungen und öffentlichen Organisationen wie der Malaria Vaccine Initiative (MVI) und der Bill & Melinda Gates Foundation zusammen. Gemeinsam wollen die Partner den Impfstoff-Bedarf ermitteln sowie Strategien zur Finanzierung und zur Durchführung von Impfprogrammen erarbeiten.
Malaria ist eine der tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt: Jährlich sterben 1-2 Million Menschen an Malaria, bei weiteren 2 Millionen ist Malaria einer von mehreren Faktoren, die zum Tode führen. 90 % der Malariafälle treten in Afrika auf, und mehr als 80 % der Todesfälle betreffen Säuglinge und Kleinkinder bis zum 5. Lebensjahr in Afrika südlich der Sahara. Weitere Endemiegebiete mit hoher Erkrankungshäufigkeit befinden sich in Indien und Südamerika (Amazonasbecken); insgesamt gelten 40 % der Weltbevölkerung als gefährdet.
Was ist eine klinische Studie?





