Herausforderung Onkologie-Forschung

Hoher medizinischer Bedarf

Der Trend ist alarmierend: Statistisch bekommt jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens einmal Krebs.1 Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr über 420.000 Menschen.1 Die Zahl der Krebserkrankungen wird sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen zwischen den Jahren 2000 und 2030 mehr als verdoppeln.1 Für das Jahr 2030 rechnen Experten mit 27 Millionen Neuerkrankungen, 75 Millionen Betroffenen und 17 Millionen Todesfällen.1

Allein im Jahr 2006 erkrankten in 39 europäischen Staaten rund 3,2 Millionen Menschen an Krebs.2 Rund 1,7 Millionen Menschen starben daran – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Hamburgs.2 Die demografische Entwicklung in Industriestaaten lässt erwarten, dass die Häufigkeit derartiger Krankheiten weiter zunehmen wird.

Zur maßgeblichen Verbesserung der individuellen Überlebenschancen trägt seit über 50 Jahren die Chemotherapie bei. Mit der Chemotherapie werden jedoch alle sich schnell teilenden Zellen getötet – also auch gesunde Zellen. Dies hat die bekannten Nebenwirkungen wie Haarausfall und Übelkeit zur Folge. „Mittlerweile jedoch scheint es, dass zielgerichtete Therapien, die sich auf bestimmte Krebszellen konzentrieren, eine verbesserte Effizienz bei möglicherweise reduzierten Nebenwirkungen bieten. Diese so genannten ‚Targeted Therapies’ können derzeit das Krebswachstum temporär stoppen oder verlangsamen“, sagt Dr. Thomas Bogenrieder, Senior Medical Advisor bei GlaxoSmithKline Deutschland.

Experten gehen davon aus, dass künftige Behandlungswege auf eine Kombination verschiedener Verfahren hinauslaufen. Weil jedoch die Chemotherapie zu unerwünschten Nebenwirkungen, zum Beispiel Erbrechen und Übelkeit führen kann, ist es darüber hinaus von großer Bedeutung, die unterstützenden Behandlungsmodalitäten nicht aus den Augen zu verlieren. Denn sie können dem Patienten helfen, seinen schwierigen Weg fortzusetzen.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Die meisten Krebs-Erkrankungen haben mehr als eine Ursache, d. h. sie sind multifaktoriell. Dabei spielen sowohl angeborene (genetisch bedingte) als auch molekular-biologische Faktoren eine wichtige Rolle. In welchem Verhältnis diese Faktoren die Entstehung und den Verlauf der Krankheit beeinflussen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Was sind die genauen molekularen Ursachen von Brustkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs oder Leukämien? Wie können neue Medikamente entwickelt werden, um diese Krankheiten zu bekämpfen und das Leben der Betroffenen zu verbessern? Das sind Fragen, denen sich die Forscher von GlaxoSmithKline jeden Tag stellen. „Um zum Beispiel ein neues Medikament gegen Brustkrebs zu entwickeln, muss man zunächst ein tumorbiologisch sinnvolles ‚Target’ identifizieren“, sagt Dr. Thomas Bogenrieder. „Darunter versteht man diejenigen Zielmoleküle im menschlichen Körper, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine wichtige Rolle spielen. Das können zum Beispiel bestimmte Tyrosinkinase-Rezeptoren sein. Anschließend entwickelt man ein Molekül, das spezifisch mit diesem einen Zielmolekül interagiert.“

„Mice tell lies“: Aussagekraft von Labor-Modellen ist limitiert

Bei der Entwicklung von Medikamenten testen die Forscher das potenziell neue Medikament üblicherweise mit bestimmten Zell- oder Maus-Modellen. Die Ergebnisse können den Wissenschaftlern helfen, Wirkungen und Nebenwirkungen der Arzneimittel bei Menschen abzuschätzen. Doch gerade in der Krebsforschung ist die Aussagekraft von derartigen (Maus-) Labormodellen limitiert.

„Die Ergebnisse zur Wirksamkeit eines potenziellen neuen Krebsmedikaments im (Maus-) Modell lassen sich nicht einfach 1:1 auf den Menschen übertragen“, so Dr. Bogenrieder. „Die Gründe dafür sind vielfältig. Unter anderen spielen die unterschiedlichen Prozesse in der Pathophysiologie, der Immunologie und von DNA Reparatur-Mechanismen eine große Rolle.“

Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass eventuell beim Menschen gut wirkende Substanzen zunächst nicht weiter entwickelt werden, da sie in Maus-Modellen zu wenig Aktivität zeigten. Andererseits kann es auch zur Folge haben, dass Substanzen weiter erforscht werden, die in Maus-Modellen auf den ersten Blick einen positiven Effekt haben, in der klinischen Prüfung bei Menschen jedoch enttäuschen.

Die Folgen: Höhere Abbruchquoten bei Krebsmedikamenten in späten Phasen der klinischen Entwicklung im Vergleich zu anderen Indikationen. „Von 100 potenziellen Onkologie-Medikamenten, die in der ersten Phase der klinischen Prüfung getestet werden, werden statistisch gesehen nur 5 zur Zulassung eingereicht. Bei anderen Indikationen sind es hingegen zehn“, sagt Dr. Thomas Bogenrieder.3,4

Klinische Studien finden unter besonderen Bedingungen statt

Bevor ein neues Medikament zur Behandlung von Krankheiten zugelassen werden kann, sind eine Reihe klinischer Studien an gesunden und erkrankten Menschen gesetzlich vorgeschrieben. Dazu wird der Wirkstoff in der Regel entweder im Vergleich zu einem unwirksamen Scheinmedikament („Placebo“) oder zu dem herkömmlichen Mittel der Wahl („Gold-Standard“) getestet. Die Studien müssen von externen Ethik-Kommissionen und Behörden genehmigt werden - in Deutschland zum Beispiel durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Im Rahmen klinischer Studien müssen gerade im Bereich von Krebs-Erkrankungen besondere Fragen berücksichtigt werden. „Unter welchen Umständen ist es ethisch vertretbar, einem Krebs-Patienten ein unwirksames Scheinmedikament zu geben?“, fragt Dr. Michael Herschel, Leiter der klinischen Forschung von GlaxoSmithKline Deutschland. Und er gibt hierauf auch eine Antwort: „Nur dann, wenn der Patient zusätzlich die Standardtherapie erhält oder wenn der Patient die Standardtherapie ablehnt oder nicht erhalten kann.“

Für aussagekräftige Studienergebnisse müssen zunehmend größere Studien durchgeführt werden. Der Grund hierfür ist, dass valide Daten für einen Unterschied im Gesamtüberleben bzw. im so genannten „progressionsfreien Überleben (PFS)“ – also dem Überleben ohne weiteres Tumorwachstum – nur durch Vergleich von vielen Patienten erzielt werden.

Das onkologische Erbe von GlaxoSmithKline

Die onkologische Forschung hat bei GlaxoSmithKline eine lange Tradition. Beispielhaft hierfür steht die langjährige Zusammenarbeit mit den Nobelpreisträgern Gertrude Elion (1918-1999) und George Hitchings (1905-1998). Beide entwickelten bei den GSK-Vorgänger-unternehmen nicht weniger als sechs wichtige Medikamente. Gemeinsam mit Sir James W. Black wurden die beiden passionierten Biochemiker 1988 in Stockholm für die Entdeckung wichtiger Prinzipien der Arzneimittelbehandlung mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.

Elions Arbeit führte zudem zur Entwicklung verschiedener Medikamente - auch gegen bestimmte Formen der Leukämie. Das jüngste Arzneimittel aus dieser Forschungsarbeit mit dem Wirkstoff Nelarabin ist im Herbst 2007 in Deutschland zugelassen worden.

GSK: Eine der stärksten Onkologie-Pipelines der Branche

GlaxoSmithKline (GSK) hat weltweit eine der stärksten und am meisten ausgereiften Onkologie-Pipelines aller forschenden Arzneimittelunternehmen.5 Die Forscher von GlaxoSmithKline untersuchen Prozesse, die zur Tumorentstehung führen und entwickeln vorbeugende und therapeutische Krebs-Impfstoffe.

Insgesamt befinden sich 16 potenzielle Wirkstoffe zur Vorbeugung, Behandlung und Symptomlinderung von Krebserkrankungen in der klinischen Entwicklung. Wirkstoffe für über zwölf verschiedene Krebserkrankungen werden bereits in Phase-III-Studien erforscht – dem letzten Entwicklungsstadium vor der Zulassung. Für verschiedene Krebserkrankungen hat GSK bereits Medikamente auf dem Markt.

Quellen

1) http://www.rki.de/cln_048/nn_204082/DE/Content/GBE/DachdokKrebs/krebs__node.html?__nnn=true

2) http://annonc.oxfordjournals.org/cgi/content/full/mdl498v1; http://www.iarc.fr/ENG/Press_Releases/pr174a.html

3) Sharpless NE und DePinho RA. Nat Rev Drug Discov. 2006; 5: 741-54

4) Kola I und Landis J. Nat Rev Drug Discov. 2004; 3: 711-15

5) Onkologie- & Supportive-Therapie-Projekte aus: Pharmaprojects, Unternehmens-Website vom 25. April 2007

 

Clinical Trial Register

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Transparenz bei klinischen Studien

Fünf Nobelpreise für GlaxoSmithKline-Forscher

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