1. Europäischer Epilepsietag am 14. Februar 2011

Am 14. Februar 2011 wird erstmalig nicht nur der Valentinstag gefeiert, sondern auch der Europäische Epilepsietag ins Leben gerufen. Die Entscheidung fiel auf den 14. Februar – nicht weil dieser Tag symbolisch der Tag der Liebenden ist, sondern weil der Namensvetter des heiligen Valentin nämlich Valentin von Rätien als Schutzpatron der „fallenden Krankheiten“ wie Epilepsie oder Ohnmacht gilt.
Künftig soll der Europäische Epilepsietag jedes Jahr am zweiten Montag im Februar das Bewusstsein für die Erkrankung Epilepsie durch Bildungs- und Werbeaktivitäten auf regionaler Ebene fördern.
Der Europäische Epilepsietag wurde durch die Unterstützung der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE; www.ilae-epilepsy.org) geschaffen. Organisiert werden die Aktionen und Veranstaltungen rund um den Tag durch den europäischen Regional-Ausschuss des Internationalen Büros für Epilepsie (IBE; www.ibe-epilepsy.org/) und die gemeinsame Initiative der beiden Organisationen: EUCARE (Gemeinsames europäisches Handeln und Forschen in der Epilepsie; www.eucare.org/)
Was ist Epilepsie?
Epilepsie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „plötzlich heftig ergriffen und überwältigt werden“. Genauso werden auch Epilepsie-Patienten plötzlich heftig von epileptischen Anfällen ergriffen und überwältigt. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde die Erkrankung mit „Besessenheit“ erklärt.
Heutzutage ist bei manchen Patienten trotz aufwändiger Diagnostik eine genaue Ursache der Erkrankung noch immer nicht auszumachen.
Die Krankheitshäufigkeit liegt bei Erwachsenen in Deutschland bei 0,4-0,8%. Das Risiko an einer Epilepsie zu erkranken ist im Kindes-/ Jugendalter und im fortgeschrittenen Alter ab etwa 60 Jahren besonders groß. Jedes Jahr werden etwa 40.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Damit zählt die Epilepsie zu den häufigsten neurologischen Krankheiten.
Was geschieht bei einem epileptischen Anfall wirklich und wie äußert sich dieser?
Unter einem epileptischen Anfall versteht man das synchrone Entladen mehrerer Nervenzellverbünde, die praktisch das ganze Gehirn erfassen können (generalisierter Anfall) oder auch nur auf ein kleines Areal beschränkt bleiben (fokaler Anfall).
Die Dauer epileptischer Anfälle variiert abhängig vom Anfallstyp zwischen ca. 4 Sekunden und bis zu über 30 Minuten. Dabei fällt die Schwere eines Anfalls beim einzelnen Patienten sehr unterschiedlich aus. Oft handelt es sich um motorische Anfälle, die mit Muskelzuckungen oder Verkrampfungen des Körpers, sowie Bewusstseinsverlust (die in häufigen Fällen zu Stürzen führen) einhergehen. Besonders lang anhaltende Anfälle können auch lebensbedrohlich sein.
Was sind mögliche Auslöser?
5-10% der Menschen erleiden einmal in ihrem Leben einen einzigen epileptischen Anfall, meist als so genannte Gelegenheitsanfälle. Diese sind zunächst Zeichen einer akuten Störung des Gehirns und werden oft durch äußere Faktoren verursacht. Dazu zählen unter anderem Schlafentzug, Flackerlicht (z.B. in der Diskothek), Hyperventilation, Alkohol- oder Drogenentzug, Vergiftungen oder auch bestimmte Medikamente. Bleibt es bei diesem einmaligen Anfall durch solche anfallsauslösenden Einflüsse (Provokationen), werden die Patienten nicht therapiert. Diese Patienten leiden definitionsgemäß nicht an einer Epilepsie.
Auslöser einer Epilepsie sind dagegen zum Beispiel Hirnschädigungen durch die Geburt bei Säuglingen oder Durchblutungsstörungen im fortgeschrittenen Alter, ebenso wie Hirntumoren, schwere Kopfverletzungen, Hirnentzündungen, Schlaganfälle oder degenerative Erkrankungen wie eine Alzheimer-Demenz.
Worunter leiden Epilepsie-Patienten?
Epileptische Anfälle ziehen eine hohe Verletzungsgefahr und meistens auch Einschränkungen bezüglich der Berufswahl oder Fahrverbot mit sich. Darüber hinaus sind oft soziales Stigma oder erschwerte Partnerwahl mit der Erkrankung verknüpft.
Durch Langzeit-Therapien können zudem häufig Nebenwirkungen entstehen, wie zum Beispiel Müdigkeit, Einschränkungen der Informationsverarbeitung (Kognition), Gewichtszunahme, hormonelle Störungen, Osteoporose oder psychiatrische Auffälligkeiten. Das wiederum kann zu Depression und/ oder reduzierter Lebenserwartung führen.
Wie kann eine Epilepsie therapiert werden?
Die Krankheit kann durch eine medikamentöse Behandlung in zwei Dritteln der Fälle eingedämmt, beziehungsweise unterdrückt werden. Das heißt, die Patienten werden anfallsfrei. Die Wirkweise ist bei den meisten Medikamenten ähnlich und zielt darauf ab, neuronale Natriumkanäle zu blockieren, um das Entladen der Nervenzellverbünde unterbinden zu können.
Bei schwereren Fällen der Epilepsie können geeignete Patienten manchmal auch operiert und ein Herd entfernt werden, was im Idealfall zu einer Anfallsfreiheit führt.
Therapeutischer Nihilismus auch bei schweren Fällen nicht angebracht
Etwa ein Drittel der Epilepsie-Patienten wird bislang trotz medikamentöser Therapie nicht anfallsfrei. Man sollte jedoch nicht zu früh aufgeben, die Patienten zu behandeln oder als refraktär (nicht therapierbar) einstufen.
Was ist eine klinische Studie?





